Freiwilliger Friedensdienst als Chance für Gemeinde, Kirche und Gesellschaft

Resolution

Kirche hat den Auftrag am Reich Gottes mitzubauen. Gerechtigkeit und Frieden sind Grunddimensionen dieser Gottesherrschaft. Es ist zentrales Anliegen der christlichen Kirchen für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einzutreten. Dabei kommen den Diensten für den Frieden eine herausragende Rolle zu. Hier haben die großen Volkskirchen wesentliche Anstöße von den historischen Friedenskirchen (Mennoniten, Quäker, Church of Brethren) erhalten.

In den beiden großen Kirchen haben sie über die Kriegsdienstverweigerung und den Aufbau alternativer Friedensdiensten (§14b/§14c ZDG) eine wachsende Bedeutung erlangt. Wir stellen fest, dass die Nachfrage von jungen Christen, meist in der Orientierungsphase zwischen Schule und Beruf, um ein vielfaches höher ist, als die Kirchen Einsatzmöglichkeiten zur Verfügung stellen können.

Die positiven Erfahrungen von jungen Menschen, die einen Friedensdienst im Ausland geleistet haben und die wachsende Notwendigkeit, interkulturelle Erfahrungen für Leben und Beruf nutzbar zu machen, sind eine Herausforderung für die rasche Weiterentwicklung dieser Dienste. Begleitung und Unterstützung von Freiwilligen im Friedensdienst stellen sich für die Kirchen als eine gemeindeaufbauende Bereicherung heraus.

Auch wenn die jungen Freiwilligen als Hilfs- und (noch) nicht als Friedensfachkräfte ihren Dienst leisten, ist die Wirksamkeit dieser Dienste im Einsatzland, aber auch für unsere deutsche Gesellschaft nicht gering zu achten. Ihr aus christlichem Glauben gewachsenes Engagement für Gerechtigkeit und Frieden setzt in einer konfliktreichen Situation (z.B. Bosnien, Israel, Nordirland usw.) Zeichen für eine solidarischere Welt und bahnt Wege zur Versöhnung. Die jungen Freiwilligen verstehen ihren Dienst zurecht als Beitrag zur Völkerverständigung und als Prävention gegen Vorurteile, Hass, Gewalt und Krieg.

Als Berichterstatter und Rückkehrer nach Deutschland tragen diese jungen Menschen über ihre Dienstzeit hinaus eine Botschaft der Solidarität und Toleranz weiter. Die Lernerfahrungen eines Friedensdienstes erweisen sich für die Freiwilligen und für Gemeinde wie Zivilgesellschaft als nachhaltig.

Die Verantwortlichen für Beratung und Begleitung von Kriegsdienstverweigerern und die christlichen Friedensdienste in den evangelischen und katholischen Kirchen Baden-Württembergs wissen sich von ihren Synoden und Bischöfen in ihrem Bemühen um den Ausbau dieser Friedensdienste als ureigenstem kirchlichen Anliegen getragen. Die Kirchen stellen einen wesentlichen Beitrag an personellen und finanziellen Mitteln dafür zur Verfügung. Ausdrücklich sollen die politisch Verantwortlichen im Land und auf Bundesebene in die Pflicht genommen werden, die Kirchen und weitere Anbieter in diesem Dienst an jungen Menschen und für den Frieden ausreichend zu unterstützen.

Der Andere Dienst im Ausland nach §14 b ZDG wie auch die so genannten „ungeregelten Freiwilligendienste" müssen weiterhin erhalten bleiben und endlich eine finanzielle Förderung erfahren.

Wir halten es auch für dringend erforderlich, dass seitens des Landes und des Bundes mindestens die Aufwendungen für Kranken-, Unfall-, und Haftpflichtversicherung der jungen Freiwilligen übernommen wird.

Als Anerkennung des Friedensdienstes sollen den jungen Freiwilligen für Ausbildung und Studium Bonuszeiten angerechnet werden.

 

Stuttgart, den 18. November 2005

 

 

Einstimmig beschlossen beim ökumenischen Konvent

der kirchlichen KDV-Berater von Baden-Württemberg